Jungquartäre Klima- und Landschaftsentwicklung im Werchojansker Gebirge und in der Zentraljakutischen Tiefebene

Zusammenfassung

Permafrostaufschluss im Tal der Tumara, Werchojansker Gebirge.
Abb. 1: Ankunft im Werchojansker Gebirge 2002 (G. Stauch).
Expeditionsteilnehmer 2003 (Bild: S.Popp).
Abb.2: Permafrostaufschluss im Tal der Tumara, Werchojansker Gebirge (G. Stauch).
Abb. 3: Expeditionsteilnehmer 2003 (S.Popp).

 

Ziel des Vorhabens war die Rekonstruktion der jungquartären Klima- und Landschaftsentwicklung des Werchojansker Gebirges und seines westlichen Vorlandes (NE-Sibirien). Das Projekt wurde von einem deutsch-russischen Team interdisziplinär (Paläoklimaforschung, Quartärgeologie, Geomorphologie, Geokryologie, Bodengeographie und Paläopedologie) durchgeführt. Ausgehend von der rezenten Vergletscherung im westlichen Werchojansker Gebirge wurden die geomorphologischen, geokryologischen und bodengeographisch-paläopedologischen Befunde entlang ausgewählter Transsekte bis zu den Terrassen der Flüsse Lena und Aldan hin erfasst.

Ergebnisse (aus Stauch 2007):

Im mittleren Werchojansker Gebirge wurden fünf Endmoränenstände (I-V) kartiert, die sich geomorphologisch deutlich unterscheiden. Eine dieser Endmoränen (I) wurde innerhalb des Gebirges abgelagert, während die anderen vier große konzentrische Wälle im westlichen Vorland des Gebirges bilden (II-V). Auf der Ostseite haben die Gletscher das Gebirge nicht verlassen. Die Ausdehnung der Gletscher im Gebirge konnte aufgrund fehlender glazialgeomorphologischer Formen nicht exakt bestimmt werden. Aufgrund der Lage der Kare und der hohen Anzahl an Transfluenzpässen ist für das mittlere Werchojansker Gebirge von einer großen Talnetzvergletscherung auszugehen. Die zentralen Gebirgsbereiche waren wahrscheinlich während der Hochphase der älteren Vereisungen von kleinen Eiskappen bedeckt.
Im Rahmen der hier vorgelegten Arbeit wurde eine neue Chronostratigraphie der Vergletscherungen im Werchojansker Gebirge entwickelt, die der bisherigen Einordnung der Gletschervorstöße widerspricht. Die IRSL Datierungen der Moränen und der äolischen Decksedimente zeigen, dass der letzte große Gletschervorstoß (I) um 55ka beendet war. Die Gletscher dieser Vereisung haben das Vorland nicht erreicht. Es konnten keine Hinweise auf eine Vergletscherung im globalen letztglazialen Maximum gefunden werden.
Für die Gletschervorstöße III und IV konnten Minimalalter von 80 bis 90ka und von ca. 110ka bestimmt werden. Der älteste Vorstoß, dessen Endmoräne am weitesten vom Werchojansker Gebirge entfernt abgelagert wurde, erfolgte um 135-140ka. Für die Bildung der zweiten Endmoräne konnte kein Alter bestimmt werden.
Die bisherige Chronostratigraphie für die Vergletscherungsphasen im Werchojansker Gebirge, lässt sich daher nicht bestätigen. Der Gletschervorstoß während der Saale erreichte eine größere Ausdehnung als jener in der Frühweichsel. Eine interstadiale Vergletscherung bis in das westliche Vorland des Gebirges zwischen 33 und 30ka ist damit ebenfalls auszuschließen. Insgesamt ergaben sich für die Moränen deutlich höhere Alter als bisher vermutet. Der von SPIELHAGEN et al. (2005) beschriebene Süßwasserimpuls um 13ka in die Laptewsee lässt sich nicht auf die Bildung eines Eisstausees im Tal der Lena durch Gletscher aus dem Werchojansker Gebirge zurückführen.

Diese neue Chronostratigraphie zeigt, dass die Gletschervorstöße im Werchojansker Gebirge ähnlich verliefen wie die des östlichen Sektors des Eurasischen Eisschildes über der Barents- und Karasee und die Gletschervorstöße im Fernen Osten. Im Laufe des letzten Glazials ist die Reichweite der Gletschervorstöße immer stärker zurückgegangen. Im Unterschied zu den benachbarten Gebieten kam es allerdings im Werchojansker Gebirge während der Spätweichsel zu keiner großen Vergletscherung. Die Ursache hierfür liegt in der großen Aridität des Raumes zu dieser Zeit. Im Gegensatz zu vorangegangenen Vergletscherungsphasen wurde im MIS 2 mit den Westwinden keine ausreichende Feuchtigkeit für das Gletscherwachstum in das Gebirge transportiert. Die Westwinde waren zumindest in den letzten 140.000 Jahren die Hauptquelle für die Niederschläge während der Vergletscherungen. Darauf deuten der asymmetrische Charakter der Vereisungen mit den im Westen bis in das Vorland reichenden Piedmontgletschern und die nur geringe Reichweite der Vereisungen auf der Westseite des Gebirges hin.

Ansprechpartner:
Dr. Georg Stauch

Laufzeit:
05/2002 - 05/2005

Förderung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft

 

Publikationen zu diesem Projekt

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