Periglaziale Prozesse in den Hohen Tauern

Untersuchungen im Sonderschutzgebiet Piffkar

Im zeitlich-räumlichen Wechselspiel der landschaftsformenden Kräfte, die sich im Untersuchungsgebiet des Piffkares durch die Verlagerungen der periglazialen, nivalen und glazialen Formungsstockwerke abzeichnen, lassen sich verschiedene rezente und vorzeitliche Erosions- und Akkumulationsformen erkennen. Für die verschiedenen Solifluktionserscheinungen kann gezeigt werden, wie letztendlich das Ausgangsgestein Einfluß auf die jeweils auftretende Form nimmt, während der klimatische Impuls in Abhängigkeit vom Relief verantwortlich für das Prozeßgefüge ist. Anhand geomorphologischer Detailstudien im nördlich des Tauernhauptkammes gelegenen Piffkares werden exemplarisch Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Periglazialerscheinungen verschiedener Standorte aufgezeigt, wie sie für die Schieferhülle des Tauernfensters typisch sind. Unter besonderer Berücksichtigung steht dabei die Verknüpfung von hangformenden Prozessen mit Faktoren der Gesteinsverwitterung, Bodenentwicklung und Vegetationsbedeckung. Im Piffkar konnten aktive Formen der gebundenen Solifluktion in Höhen von 1850 bis 2450 m und Formen der ungebundenen Solifluktion in Schutthalden und Hangschutt oberhalb 2450 m Höhe kartiert werden. Neben kleineren Girlanden und Loben sind auch große Erd- und Blockströme entwickelt. Als maßgeblicher Prozeß kann hierfür Bodenfließen nachgewiesen werden. In den Karrückwänden fungieren u.a. Schneeeinlagerungen in Nivationshohlformen als Ausgangspunkte für Lawinen und für kleinere Murbahnen. Die Schneedeckenverteilung, die durch das vorgegebene Relief und durch Lawinenschneeakkumulationen beeinflußt wird, steuert u.a. wiederum den Deckungsgrad der Vegetation und teilweise auch die Verbreitung und Art der Solifluktionsformen.

Teilprojekt des BMB+F Klimaforschungsprogramm 1995-1997: Terrestrische Paläoklimatologie.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Frank Lehmkuhl

Projektpartner:
Nationalpark Hohe Tauern, Universität Göttingen

Laufzeit:
seit 1995 - 1998

Förderung:
DFG

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