Geomorphodynamik und Besiedlungsgeschichte in einem kleinen Einzugsgebiet am nördlichen Harzrand

Am nördlichen Harzrand zwischen Benzingerode und Heimburg (Sachsen-Anhalt) konnten bei archäologischen Ausgrabungen mehrere bis zu 100 m lange Aufschlüsse in pleistozänen und holozänen Sedimenten des Hellbach-Schwemmfächers bearbeitet werden (Abb. 1). Über pleistozänen Sedimenten eines ca. 2 km breiten Schwemmfächers mit Eiskeilpseudomorphosen, Kryoturbationserscheinungen sowie zentimetermächtigen Lösslagen, sind verschiedene holozäne Kolluvien, Auesedimente und Bodenbildungen auf einem kleineren, ca. 200 m breiten Schwemmfächer abgelagert worden bzw. entstanden. Stellenweise vorhandene Schwarzerdereste sowie mit schwarzem Bodenmaterial gefüllte Pfosten- und Vorratsgruben unterschiedlicher vorgeschichtlicher Epochen deuten auf eine relativ weite Verbreitung von spätpleistozänen und frühholozänen Schwarzerden in der Region hin. Im Auenbereich finden sich an der Basis der holozänen Kolluvien Reste von schwarzen, humosen, stark tonigen Horizonten mit einem lössähnlichen Sediment im Liegenden. Ob es sich hierbei um in situ gebildete Schwarzerden bzw. Schwarze Auenböden oder um anthropogene, durch Brandwirtschaftsweisen geschaffene, schwarze Horizonte handelt, ist noch unklar. Holzkohle aus dem schwarzen Horizont konnte auf rund 5.500 v. Chr. datiert werden. Das lössähnliche Sediment im Liegenden ergab OSL-Alter von ca. 5.910 v. Chr. (7,9±0,5 ka, Abb. 2). Nach Ende dieser Stabilitätsphase kam es zu einer oder mehreren größeren Überflutungen des damaligen Auenbereichs. In dieser Aktivitätsphase wurde der schwarze Horizont gekappt und zunächst mit Grobmaterial, später von einer meist 10 20 cm mächtigen feinmaterialreichen, dunkelbraunen Sedimentschicht überlagert. Diese Schicht bildete für längere Zeit die Oberfläche, enthält kaiserzeitliche Funde in situ und wird im Hangenden von gröberen Sedimenten und mächtigen, zweiphasigen mittelalterlichen Auelehmen abgedeckt. Rinnen im jüngsten Auelehm enthalten ziegel- und kalksteinreichen Schotter und repräsentieren vermutlich den letzten Lauf des Hellbachs vor seiner Begradigung in der Mitte des 19. Jh.. Nach den vorliegenden Befunden ist ein Zusammenhang zwischen den einzelnen fluvialen Aktivitätsphasen und der Besiedlung und Wirtschaftsweise im Einzugsgebiet des Hellbaches sehr wahrscheinlich, kann jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Frank Lehmkuhl

Projektausführung:
Dipl.-Geogr. Ralf Bode:
Institut für Bodenwissenschaft der Universität Göttingen,
Von-Siebold-Straße 4, 37075 Göttingen

Betreung:
Prof. Dr. B.Meyer:
Institut für Bodenwissenschaft der Universität Göttingen,
Von-Siebold-Straße 4, 37075 Göttingen

Prof. Dr. Frank Lehmkuhl:
Geographisches Institut der RWTH Aachen,
Lehrstuhl für Physische Geographie und Geoökologie,
Templergraben 55, 52056 Aachen

Prof. Dr. J. Hagedorn:
Geographisches Institut der Universität Göttingen,
Goldschmidtstr. 5, 37077 Göttingen

Projektpartner:
Dr. Veit Dresely:
Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt,
Richard-Wagner-Str. 9-10, 06114 Halle (Saale)

Prof. Dr. Ulrich Radtke, Dipl.-Geogr. Alexandra Hilgers:
Geographisches Institut der Universität Köln,
Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

Laufzeit:
2001-2002

Veröffentlichungen:
Bode, R., F. Lehmkuhl, V. Reinecke, A. Hilgers, V. Dresley & U. Radtke(2003): Holozäne fluviale Geomorphodynamik und Besiedlungsgeschichte in einem kleinen Einzugsgebiet am nördlichen Harzrand. - Eiszeitalter und Gegenwart 53: 74-93.

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Abb. 1: Übersichtskarte des Untersuchungsgebietes mit Lage der Grabungsflächen und vereinfachter Darstellung der Geologie. Bodenprofil
Abb. 2: Frühholozäner Boden unter ca. 2 m Schwemmfächersedimenten der Fläche A. Eingezeichnet sind die Entnahmestellen für 14C- und OSL-Proben. Die Holzkohle wurde auf 5615-5474 Jahre v. Chr. datiert, die Sedimentproben ergaben ein Lumineszenz-Alter von 8,1±1,0 ka bzw. 7,7±1,0 ka. Aufnahme am 29.10.01.