Neue Untersuchungen zur holozänen Genese des Unterlaufs der Inde

Projekt / Untersuchungsraum

Das geoarchäologische Projekt betrachtet in Zusammenarbeit mit Archäologen des Rheinischen Amts für Bodendenkmalpflege (RAB, Außenstelle Titz) die holozäne Genese des unteren Indetals im Vorfeld des Braunkohlentagebaus Inden im Kreis Düren. Die Inde durchfließt auf ihrem 54 Kilometer langen Weg bis zu ihrer Mündung in die Rur bei Kirchberg die alten Industrie- und Bergbauregionen bei Eschweiler und Stolberg. Zehn Prozent des ungefähr 365 km2 großen Einzugsgebiet der Inde entfallen auf das Quellgebiet in Belgien, während die restlichen neunzig Prozent in Nordrhein-Westfalen liegen. Da der nach Osten wandernde Tagebau langsam das Bett der Inde erreichte, wurde im Sommer 2005 die Inde in einen neuen, künstlichen Verlauf auf der bereits wieder renaturierten Westseite des Tagebaus verlegt. Der ursprüngliche Flusslauf und die angrenzenden Auelandschaften werden in naher Zukunft vollständig abgebaggert sein. In der Zwischenzeit wird ein großflächiger Einblick in den Talaufbau der ehemaligen Inde zwischen den bereits aufgegebenen und abgerissenen Ortschaften Alt-Inden und Alt-Altdorf möglich. Die untersuchte Talniederung hat eine ungefähre Länge von vier Kilometern und liegt im Altsiedelland der westlichen Niederrheinischen Tiefebene. Im Westen wird die Niederung durch die Aldenhovener Lössplatte begrenzt, an der Ostseite beginnt bereits die Echtzer Lössplatte.

Forschungsfragen / Fokus / Methoden / Ziel

Die Auenlehme bilden als Archive der Landschaftsgeschichte den Mittelpunkt der Forschungen. In den Auenlehmen spiegeln sich die fluvialen Aktivitätsphasen der Inde wider und geben darüber hinaus deutliche Hinweise auf die Siedlungsgeschichte und Siedlungsintensität an ihren Ufern. Neben den konventionellen Laboruntersuchungen, wie Korngrößenanalyse, CNS, pH-Wert und Phosphatbestimmung1, kommt mit der Röntgenfluoreszenzanlayse ein zusätzliches, innovatives Verfahren hinzu. Mit einem tragbaren Röntgenfluoreszenzgerät werden im Untersuchungsgebiet die Gesamtgehalte verschiedener Elemente gemessen, um den Einfluss des Menschen auf die Flusslandschaft über die Jahrhunderte zu erforschen.

Schwerpunkte des Projekts:

  • Ausgliederung der einzelnen Sedimentationszyklen um Rückschlüsse auf bspw. klimatische Veränderungen oder anthropogene Eingriffe im Einzugsgegiet (z.B. Rodungen) zu ziehen
  • Erforschung der holozänen fluvialen geomorphologischen Laufmuster und etwaige Flussbauten
  • Aufnahme und Dokumentation von Siedlungsspuren im Auenbereich und Klärung der lokalen geomorphologischen Situation sowie Auswirkungen des Bergbaus im Einzugsgebiet, gespeichert in den Auensedimenten

Das Forschungsziel des Projekts ist die möglichst ganzheitliche Rekonstruktion der Fluss- und Auengeschichte des Unterlaufs der Inde, einschließlich der Siedlungsgeschichte an ihren Ufern. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die Wechselwirkung zwischen Mensch und Flusslandschaft. Die Ergebnisse der Multielementanalyse ermöglichen wichtige Erkenntnisse über die zunehmende menschliche Einflussnahme in den Landschaftshaushalt. In diesem Projekt wird das Röntgenfluoreszenzgerät besonders zur stratigraphischen Gliederung genutzt. Das Projekt wird von der Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlenrevier gefördert.

weitere Methoden / Kooperationen

  • 14C
  • Dendrochronologie (Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln)
  • Optisch Stimulierte Luminiszenz (OSL, Geographisches Institut der Universität zu Köln)
  • Pollenanalyse (Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln, Institut für Archäologische Wissenschaften der Johann Wolfgang Goethe Universität)

Geophysikalische Messungen:

  • Geomagnetik (Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln)
  • Georadar (Lehrstuhl Neotektonik und Georisiken / NUG der RWTH Aachen)
Übersichtskarte des Untersuchungsgebiets
Profilgrube

 

[ zur Übersicht ]