Nutzung und Bedeutung von Relief und Georessourcen im Verlauf der Siedlungsgeschichte des Aachener Kessels - Analyse von Geodaten, archäologischen Befunden und stadtgeschichtlichen Daten

Zusammenfassung

Das Gebiet der heutigen Stadt Aachen kann auf eine lange Besiedlungsgeschichte zurückblicken. Die ersten Spuren menschlichen Wirkens lassen sich bis in die Jungsteinzeit datieren. Die erste größere Siedlungstätigkeit setzte dann mit Beginn der römischen Herrschaft im Rheinland ein. Spätestens mit dem Erscheinen der Römer kam es zum Aufstieg Aachens und zu einer bis heute vermutlich ununterbrochenen Siedlungsaktivität.

Diese lange und bewegte Geschichte findet sich auch regelmäßig in den archäologischen Befunden im Bereich der Stadt Aachen wieder. Durch die lange Siedlungstätigkeit lässt sich an vielen Stellen eine Mächtigkeit der Siedlungsschichten von mehreren Metern nachweisen. Daher ist davon auszugehen dass die ersten Siedler eine zum Teil deutlich andere Topographie vorfanden als sie heute zu beobachten ist.  Doch gerade das Relief und andere Georessourcen rücken stärker in den Fokus wenn es um die Frage geht, warum gerade der Aachener Kessel als Siedlungsplatz ausgewählt und kontinuierlich besiedelt wurde, insbesondere da Aachen über keine größeren Fließgewässer verfügt.

Das Forschungsprojekt  soll daher grundsätzlich der Frage nachgehen wie der Mensch als Gestalter der Stadtlandschaft in verschiedenen Zeitabschnitten wirkte und die ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen nutzte. Hierzu soll zunächst geklärt werden welche topographischen Voraussetzungen die römischen Siedler vorfanden, und wie sie diese für die Errichtung ihrer Stadt nutzten. Im weiteren Verlauf wird dann der Frage nachgegangen auf welche römischen Hinterlassenschaften die Karolinger bei der Errichtung der Kaiserpfalz und des Doms zurückgreifen konnten und wie eventuelle römische Strukturen den Ausbau der mittelalterlichen Stadt beeinflussten. Ein dritter Fragenkomplex widmet sich der Nutzung und Prägung des Aachener Umlandes durch den Menschen. Beginnend mit dem Feuersteinabbau am Lousberg bis zur Fromsandgewinnung der Neuzeit im Aachener Wald hat der Mensch in die Topographie der Region eingegriffen. Welchen Einfluss dies auf die Landschaft hatte soll das Projekt für ausgewählte Gebiete klären.

Bei der Rekonstruktion des Paläoreliefs und dessen Auswirkungen auf die menschliche Siedlungstätigkeit im Aachener Raum handelt es sich um eine interdisziplinäre Studie die sich durch  die Verschneidung der geowissenschaftlichen Grundlagen mit den archäologischen Informationen auszeichnet.

Datengrundlage für das Projekt sind zum einen die Grabungsdokumentationen der letzten 150 Jahre die sowohl im Stadtarchiv als auch im Ortsarchiv des LVR-Amt für Bodendenkmalpflege vorliegen. Diese werden umfassend ausgewertet, und durch Bohrdaten und Schichtverzeichnisse, die vom Umweltamt Aachen und dem geologischen Dienst NRW zur Verfügung gestellt werden ergänzt. Zur Erkundung der geowissenschaftlichen Grundlangen sollen die geologischen und hydrologischen Karten des Stadtgebietes (erstellt vom Lehrstuhl für Ingenieur- und Hydrogeologie der RWTH) sowie geomorphologische Karten und DGMs des Geodatenzentrums NRW mit einbezogen werden. Im Labor der Physischen Geographie werden Sedimentproben aus dem Stadtbereich sedimentologisch-geochemisch analysiert um geochemische Eigenschaften, welche für verschiedene Zeitphasen und Nutzung typisch sind, nachweisen zu können.

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seit 10/2014

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