SFB 806 „Our Way to Europe“ – Culture-environment interaction and human mobility in the Late Quaternary

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  Logo des Sonderforschungsbereichs 806 Urheberrecht: 2017 CRC 806 - Our Way to Europe

Im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 806, kurz SFB 806, werden die Migration und Verbreitung des anatomisch modernen Menschen vom nordöstlichen Afrika nach Zentraleuropa während der letzten 190.000 Jahre untersucht. Hierfür werden archäologische und geowissenschaftliche Methoden kombiniert, um die vorherrschenden Paläoumwelt- und Paläoklimabedingungen und deren Wirkung auf den modernen Menschen zu verstehen. Der SFB unterteilt sich in mehrere regionale und methodische Teilprojekte an den Universitäten zu Bonn, Köln und Aachen. Das Geographische Institut der RWTH forscht insbesondere in den Teilprojekten B1 und D1, welche das östliche Migrationstransekt der Verbreitung des modernen Menschen sowie die Senken der menschlichen Migration in Zentraleuropa untersucht. Regionaler Fokus liegt in Jordanien, dem mittleren und unterem Donaubecken, Österreich, Deutschland, Belgien und Nordfrankreich. Methodisch stehen vor allem sedimentologische, geochemische und photospektrometrische Auswertungen im Vordergrund sowie geochronologische Untersuchungen in Kollaboration mit der Universität zu Köln.

 

Verbreitung des Homo sapiens

Die Verbreitung des modernen Menschen begann vor circa 190.000 Jahren in Afrika und wurde mindestens einmal in der Levante unterbrochen. Die ersten Funde des Homo sapiens deuten auf ein erscheinen vor etwa 100.000 Jahren vor heute hin, jedoch ohne große Änderungen in der materiellen Kultur im Mittelpaläolithikum. Zwischen 46.000 und 35.000 Jahren vor heute traten die ersten Menschen mit einer typisch nahöstlichen, jungpaläolithischen, materiellen Kultur auf – die Ahmarianer. Bis heute sind diese Unterbrechung und eine mögliche Überschneidung mit westlichen Neandertalern nicht verstanden.

  Verbreitung des modernen Menschen Urheberrecht: 2017 CRC 806 - Our Way to Europe Unser Weg nach Europa: Quellgebiete, Korridore der Verbreitung, Senkgebiete und ausgewählte, wichtige Untersuchungsräume.

Die ältesten fossilen Funde des modernen Menschen in Rumänien deuten auf die Einwanderung in Europa gegen 35.000 Jahren vor heute hin. Diese Funde waren allerdings isoliert und können keiner Kultur eindeutig zugeordnet werden. Funde mit gutem archäologischem Kontext datieren auf circa 31.000 Jahren vor heute. Dieser Mangel an Information lässt Fragen zum kulturellen Hintergrund offen und erschwert die Verknüpfung der Erkenntnisse zwischen dem Nahen Osten und Zentralosteuropa. Außerdem ist weiterhin unklar, ob diese ersten Menschen Begründer der heutigen Population waren oder ob ihre Nachfahren durch spätere Migrationswellen ersetzt wurden.

Die „Senke“ der Verbreitung des modernen Menschen in Zentraleuropa erfuhr zwei Migrationswellen. Die erste Kolonisation im Rheinland erfolgte zwischen 35.000 und 30.000 Jahren vor heute, während des Aurignaciens. Eine weitere Phase der Migration erfolgte mit dem Magdalénian nach der Maximalphase der letzten Eiszeit zwischen 20.000 und 14.000 Jahren vor heute. Seit 2009 wurden mehrere Löss-Paläoboden Sequenzen im Rhein-Maas Gebiet, Süddeutschland und dem Harzvorland untersucht, um die paläoökologischen Einflüsse auf den modernen Menschen besser zu verstehen.

 
Laufzeit 07/2009 - 06/2021
Förderung DFG SFB806
Projektpartner

Prof. Dr. Jürgen Richter - Institut für Ur- und Frühgeschichte, Universität zu Köln